Anton/Benzien und Pfeifer, Tasiadis und Aigner greifen sich die Rio-Tickets

Melanie Pfeifer (Augsburg) im Kajak-Einer der Damen und die Canadier-Zweier-Weltmeister Franz Anton und Jan Benzien (Leipzig) haben sich heute im letzten Rennen der nationalen Olympiaqualifikation der deutschen Slalom-Kanuten die verbleibenden Rio-Tickets gesichert. Gestern hatten im Kanupark Markkleeberg bereits Hannes Aigner im Kajak- und Sideris Tasiadis (beide Augsburg) im Canadier-Einer den Olympiastart klargemacht.

Im Canadier-Zweier brachten die Lokalmatadoren und amtierenden Weltmeister Franz Anton und Jan Benzien (Leipzig) mit einem Sieg im letzten Rennen der Serie den Start bei Olympia in Rio unter Dach und Fach. Sie verwiesen mit fehlerfreier Fahrt ihre Vereinskollegen David Schröder/Nico Bettge auf Rang zwei, Kai und Kevin Müller (Halle/S.) wurden Dritte. Diese drei Boote gehören damit auch dem EM-Team an. „Endlich ist die Quali vorbei und wir sind in Rio“, war Jan Benzien inmitten seiner Freunde und Fans erleichtert, „so eine Olympiaquali ist immer hart, von den Nerven her ist eine WM fast leichter. Wir haben oben das Resultat der Müllers gehört, das war gut, da konnten wir einen Tick freier fahren.“

Im Kajak-Einer der Damen löste Melanie Pfeifer das Rio-Ticket durch einen zweiten Platz im letzten Rennen und dank ihres WM-Bonus‘ von einem Punkt gegenüber der heutigen Siegerin Jasmin Schornberg (Hamm). Auf Rang drei paddelte heute Ricarda Funk (Bad Kreuznach), den dritten Startplatz im EM-Team hinter Pfeifer und Schornberg sicherte sich die heute viertplatzierte Lisa Fritsche (Halle/S.). „Unglaublich. Es war ein reiner Nervenkrieg die letzten zwei Tage und ich glaub es noch nicht so ganz“, hatte Melanie Pfeifer Freudentränen im Gesicht. Für Jasmin Schornberg war es dagegen heute ein bitterer Sieg: „Es war zum Greifen nah jetzt am Ende, aber Melli hatte einfach die bessere Ausgangsposition, ich konnte nicht mehr machen, als zweimal gewinnen. Ich habe das Bestmögliche für mich erreicht und bin damit zufrieden.“

Im Kajak-Einer konnte Sebastian Schubert (Hamm) auch das zweite Rennen gewinnen, nachdem er sich gestern mit Olympia-Fahrer Hannes Aigner bereits Platz eins geteilt hatte. Er schaffte damit auch den Sprung ins EM-Team, wie auch der heute zweitplatzierte Paul Böckelmann (Leipzig). „Zwei Siege am Wochenende sind gut. Ich hatte eh nicht mehr mit Olympia gerechnet, so kann ich mich jetzt über die Ergebnisse freuen. Letztes Wochenende war leider scheiße.“
Franz Anton holte sich auch den Sieg im Canadier-Einer, verwies seinen Vereinskollegen Nico Bettge und den schon gestern für Rio qualifizierten Augsburger Sideris Tasiadis auf die Plätze. Das EM-Team bilden Tasiadis, Anton und dessen Zweier-Partner Jan Benzien, der heute auf Rang sieben einkam. „Das Ergebnis ist eher ein Zubrot. Schön, dass es zum Schluss, als der Druck vom Zweier weg war, so lief. Das hätte vielleicht früher so laufen können“, lächelte Anton, „aber ich bin trotzdem zufrieden.“

Im nicht olympischen Canadier-Einer gewann Lena Stöcklin (Leipzig) das vierte Rennen vor ihren Vereinskolleginnen Emma Bayn und Victoria Bergner und sicherte sich damit auch das EM-Ticket. „Das war jetzt kein so guter Lauf, aber kämpfen ist bei den C1-Damen immer wichtig. Die Strecke ist eigentlich fahrbar, aber unter Druck sieht das alles anders aus.“

„Wir haben jetzt richtig erfahrene Boote, die international schon eine Hausnummer darstellen, die Erfolge eingefahren haben, in unserem Olympiateam qualifiziert. Und so denke ich, gehen wir mit einer starken Truppe Richtung Rio und werden die jetzt formen, im Training weiter daran arbeiten, dass wir dort dann auch Erfolge einfahren können“, sagte DKV-Cheftrainer Michael Trummer zum Abschluss der vier Qualifikationsrennen innerhalb von neun Tagen.

Ergebnisse, nationale Olympiaqualifikation, Sonntag, viertes und letztes Rennen

Herren, Kajak-Einer: 1. Sebastian Schubert (KR Hamm) 100,03 (0), 2. Paul Böckelmann (Leipziger KC) 101,51 (0), 3. Hannes Aigner (Augsburger KV) 102,15 (0), 4. Fabian Schweikert (KCE Waldkirch) 102,70 (0), 5. Alexander Grimm (KS Augsburg) 106,09 (2), 6. Tobias Kargl (KK Rosenheim) 106,98 (0). Endstand: 1. Aigner 0, 2. Schubert 4, 3. Böckelmann 7, 4. Grimm 11, 5. Maxeiner 11, 6. Kargl 19.
Canadier-Einer: 1. Franz Anton (Leipziger KC) 106,66 (0), 2. Nico Bettge (Leipziger KC) 110,57 (0), 3. Sideris Tasiadis (KS Augsburg) 111,97 (2), 4. Dennis Söter (KS Augsburg) 117,91 (2), 5. Florian Beste (KC Hilden) 118,02 (2), 6. Florian Breuer (KS Augsburg) 119,98 (6). Endstand: 1. Tasiadis 0, 2. Anton 4, 3. Benzien 10, 4. Breuer 11, 5. Bettge 12, 6. Söter 13.
Canadier-Zweier: 1. Franz Anton/Jan Benzien (Leipziger KC) 116,08 (0), 2. David Schröder/Nico Bettge (Leipziger KC) 117,73 (0), 3. Kai Müller/Kevin Müller (BSV Halle/S.) 121,29 (2), 4. Robert Behling/Thomas Becker (MSV Buna Schkopau) 125,25 (4), 5. Leonhard Bayn/Tillmann Bayn (Leipziger KC) 131,27 (6), 6. Niklas Hecht/Alexander Weber (Leipziger KC) 153,27 (10). Endstand: 1. Anton/Benzien 0, 2. Schröder/Bettge 6, 3. Müller/Müller 6, 4. Behling/Becker 7, 5. Hecht/Weber 14, 6. Florian Beste/Sören Loos (KC Hilden) 16.
Damen, Kajak-Einer: 1. Jasmin Schornberg (KR Hamm) 121,08 (0), 2. Melanie Pfeifer (KS Augsburg) 122,65 (2), 3. Ricarda Funk (KSV Bad Kreuznach) 123,16 (2), 4. Lisa Fritsche (BSV Halle/S.) 123,21 (4), 5. Caroline Trompeter (SKG Hanau) 124,21 (2), 6. Cindy Pöschel (Leipziger KC) 129,80 (8). Endstand: 1. Pfeifer 3, 2. Schornberg 4, 3. Fritsche 6, 4. Funk 7, 5. Trompeter 13, 6. Pöschel 16.
Canadier-Einer: 1. Lena Stöcklin (Leipziger KC) 167,93 (0), 2. Emma Bayn (Leipziger KC) 185,12 (8), 3. Victoria Bergner (Leipziger KC) 199,01 (6), 4. Maybrit Gießler (Wiesbadener KV) 212,81 (6), 5. Kira Kubbe (MTV Luhdorf-Roydorf) 231,74 (60), 6. Nele Bayn (Leipziger KC) 233,67 (62). Endstand: 1. Herzog 4, 2. Stöcklin 6, 3. Kubbe 7, 4. Ohmayer 11, 5. Gießler 13, 6. E. Bayn 17.


Die beiden London-Medaillengewinner Hannes Aigner und Sideris Tasiadis (beide Augsburg) haben sich im dritten Rennen der nationalen Olympiaqualifikation der deutschen Slalom-Kanuten am Samstag im Kanupark Markkleeberg auch die Tickets für Rio de Janeiro gesichert.

Ein zeitgleicher Erfolg mit Sebastian Schubert (Hamm) brachte Hannes Aigner im Kajak-Einer der Herren am Samstag im Kanupark Markkleeberg die zweite Olympiateilnahme. Der Bronzemedaillengewinner von 2012 ist bei noch einem ausstehenden Rennen am Sonntag mit der Idealpunktzahl „Null“ nicht mehr von Rang eins zu verdrängen. Dritter wurde heute der Leipziger Paul Böckelmann, der sich damit die Chance auf einen Sprung ins EM-Team erhielt. „So wünscht man es sich“, freute sich Hannes Aigner über die vorzeitige Qualifikation für Rio. „Es war schon psychisch anstrengend, deswegen bin ich froh, dass es jetzt vorbei ist“, will er heute Abend im Kreise von Freunden und Familie feiern, „ich versuche aber morgen trotzdem noch einmal ordentlich zu fahren, ich will den Wettkampf nicht verzerren.“

Auch der zweite London-Medaillengewinner machte schon heute alles klar für die Reise nach Brasilien. Im Canadier-Einer der Herren holte Sideris Tasiadis den dritten Sieg im dritten Rennen und sicherte sich so seine zweite Olympiateilnahme. Sein Vereinskollege Florian Breuer paddelte auf den zweiten Rang, Jan Benzien (Leipzig) wurde Dritter. „Ich bin super happy und sehr erleichtert, dass es heute schon geklappt hat. Ich werde heute natürlich ein bisschen feiern, aber nicht zu sehr, damit ich den Wettkampf morgen noch bestreiten kann. Ich muss das jetzt erst mal verarbeiten, danach werde ich mich so vorbereiten, dass es in Rio auch für eine Medaille reicht“, sagte Sideris Tasiadis.

Im Canadier-Zweier wurde die Entscheidung durch den Tagessieg von Kai und Kevin Müller (Halle/S.) auf Sonntag vertagt. Die Zwillinge gewannen ihr Rennen vor den Europameistern Robert Behling/Thomas Becker (Schkopau) und Franz Anton/Jan Benzien (Leipzig) und erhielten sich damit die Chance, am Sonntag mit den Weltmeistern um das Rio-Ticket kämpfen zu können. „Wahnsinn“, war Kevin Müller im Ziel zunächst sprachlos, „es lief einfach wieder schön, es hat übel Spaß gemacht. Es geht weiter jetzt!“

Im Kajak-Einer der Damen hat am letzten Qualifikationstag noch ein Quartett die Chance, den Olympiastart klar zu machen. Nach dem Sieg von Jasmin Schornberg (Hamm) vor Ricarda Funk (Bad Kreuznach) und Caroline Trompeter (Hanau) könnten je nach Ausgang des letzten Rennens am Sonntag Schornberg, Funk, aber auch die heute siebt- und achtplatzierten Lisa Fritsche (Halle/S.) und Melanie Pfeifer (Augsburg) nach Rio fahren. Das Finale vom Samstag war vor allem ein Nervenspiel. „Das Ergebnis ist natürlich super, aber ich bin eigentlich überhaupt nicht zufrieden“, äußerte sich so auch Jasmin Schornberg, „auf jeden Fall wird morgen noch einmal angegriffen!“

Im nicht olympischen Canadier-Einer der Damen holte sich Kira Kubbe (Luhdorf-Roydorf) ihren ersten Tagessieg in der Qualiserie. Sie gewann vor Maybrit Gießler (Wiesbaden) und Stephanie Hein (Frankenberg). „Tor sechs war jetzt nicht so geschickt, aber ich bin es dann ja nochmal gefahren, das hat sich dann am Ende ja gelohnt. Der Nullwert ist jetzt nicht schlecht für mich, mal sehen wie es morgen weitergeht“, meinte die 17-Jährige.


Die olympischen Quotenplätze hat das DKV-Team bei den Weltmeisterschaften im vergangenen Jahr in London quasi nebenbei und völlig problemlos eingefahren, als auf dem Olympiakurs von 2012 im Lee Valley White Water Centre insgesamt fünf Medaillen – einmal Gold, dreimal Silber, einmal Bronze – gewonnen wurden. Drei Medaillen kamen dabei aus den olympischen Disziplinen, zwei jedoch bei den Kajak-Damen – was sich in diesem Jahr in Rio nicht wiederholen lassen wird. Denn nur ein Boot pro Kategorie wird die deutschen Farben in Brasilien vertreten können.

Damit ist klar, dass es wie in jedem Schaltjahr in der jüngeren Vergangenheit auch 2016 zu einem engen und hart umkämpften Wettstreit in der nationalen Qualifikation kommen wird, auf den die Aktiven seit dem vergangenen Herbst konzentriert und motiviert hinarbeiten. Auch diesmal gibt es den großen, übermächtigen Favoriten in keiner der vier Disziplinen, auch wenn die WM-Medaillengewinner von London natürlich mit einem leichten Bonus ins Rennen gehen, der am Ende gut den Ausschlag geben kann. Die C2-Weltmeister Franz Anton/Jan Benzien (Leipzig) starten so mit zwei, Ricarda Funk (Bad Kreuznach) und Melanie Pfeifer (Augsburg), die im Kajak-Einer der Damen Silber und Bronze geholt hatten, mit jeweils einem Minuspunkt in die nach dem Platzziffernsystem ausgetragenen Qualifikationsrennen.

Internes Duell: Welt- gegen Europameister
Trotzdem verbleibt viel Spannung. So treffen im Canadier-Zweier die amtierenden Weltmeister auf die amtierenden Europameister Robert Behling/Thomas Becker (Schkopau), auch die Hallenser Besatzung Kai Müller/Kevin Müller zeigte sich zum Saisonbeginn stark. Bei den Damen will neben Funk und Pfeifer außerdem London-Teilnehmerin Jasmin Schornberg (Hamm) in den Kampf um die Tickets eingreifen, die vor einer Woche das Weltranglistenrennen am Leipziger Stadtrand für sich entschied. Lisa Fritsche (Halle/S.) drängt nach ihrer Premiere in der Vorsaison auch zurück ins Team, Cindy Pöschel (Leipzig) sucht nach ihrer Babypause ebenfalls Anschluss.

Bei den Kajak-Herren steht wohl der aus dem Vorjahr gewohnte Dreikampf zwischen London-Bronzemedaillengewinner Hannes Aigner, dem wiedererstarkten Peking-Champion Alexander Grimm (beide Augsburg) und Sebastian Schubert (Hamm) ins Haus. Und im Canadier-Einer trifft WM-Finalist Franz Anton (Leipzig) auf Olympia-Silbermedaillengewinner Sideris Tasiadis (Augsburg) und seinen Zweierpartner Jan Benzien und Klubkollegen Nico Bettge. Mit Florian Breuer (Augsburg) ist hier auch ein junges, neues Gesicht mit in der Verlosung um die internationalen Startplätze.

Die nationale Qualifikationsserie steht in diesem Jahr sehr zeitig im Kalender, weil bereits ab 24. April ein nächster Trainingsblock auf dem Olympiakurs in Deodoro feststeht – für die dann bekannten Olympiateilnehmer. Wie in den Jahren zuvor werden je zwei Qualifikationsrennen in Augsburg sowie in Markkleeberg die Zuschauer in Atem halten, von denen die drei besten für jedes Boot in die Wertung kommen. Der Sieger jedes Einzelrennens erhält die Platzziffer „Null“ und nur die Nummer eins in der Addition aller Platzierungen fliegt jeweils Ende Juli nach Brasilien.

Keine WM, EM als zweiter Jahreshöhepunkt
Wie immer im Olympiajahr fehlen auch 2016 die Weltmeisterschaften als Höhepunkt im Wettkampfkalender, die nächsten Welttitelkämpfe werden erst Ende September 2017 in Pau (Frankreich) ausgetragen. Als zweiter und eigentlicher Jahreshöhepunkt für die in der Olympiaqualifikation enttäuschten Zweit- und Drittplatzierten und auch die in diesem Jahr noch nicht olympischen Canadier-Damen steht deshalb die Europameisterschaft in der Slowakei an. Liptovský Mikuláš erwartet die besten europäischen Paddler vom 13. bis 15. Mai.

Zudem bringt die ICF-Weltcupserie weitere internationale Wettkampfpraxis – in diesem Jahr leider ohne Station in der Heimat. Nach dem Auftakt in Ivrea (Italien) am ersten Juni-Wochenende sind La Seu d’Urgell (Spanien) und Pau in den beiden Folgewochen die Stationen noch vor dem Beginn der Olympischen Spiele. Nach den Spielen schließen Prag (Tschechische Republik) und Tacen (Slowenien) an den ersten beiden September-Wochenenden die Serie ab. Eine Woche später werden im Wildwasserpark Hohenlimburg die nationalen Titelkämpfe entschieden.

Für den Nachwuchs, der seine Qualifikationen für Junioren- und U23-Nationalmannschaften ebenfalls an den beiden Olympiaquali-Wochenenden austrägt, stehen mit den Junioren- und U23-Europameisterschaften in Kraków (Polen) und den Weltmeisterschaften in Solkan (Slowenien) erneut zwei internationale Höhepunkte im Wettkampfkalender.